Neumünster (rjs) - "Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr im Einzelhandel und ich finde, wir machen gute Arbeit. Daher haben wir es verdient, faire Löhne zu erhalten. Deshalb gehen wir nun auf die Straße, da der Handelsverband kein akzeptables Angebot gemacht hat und wir nicht wertgeschätzt werden“, erklärt Sabine Riediger. Sie ist zusammen mit weiteren Kollegen aus Kiel angereist, um die Kollegen in Neumünster solidarisch zu unterstützen.
Am Freitag, 5. Juni, begann um 3:30 Uhr morgens der Streik am Bartels-Langness-Lager in Neumünster an der Baeyerstraße. „Nach den völlig unzureichenden Angeboten in den zweiten Verhandlungsrunden im Norden für den Groß- und Außenhandel und den Einzelhandel in Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern haben wir vom 4. bis 6. Juni zu Streiks und einer zentralen Kundgebung aufgerufen“, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Bert Stach. Die Tarifrunde im Handel für mehr als fünf Millionen Beschäftigte bundesweit ist aus Sicht der Gewerkschaft mit einem Eklat auf Arbeitgeberseite gestartet. Geboten wurden minimale Entgelterhöhungen, die deutlich unter der aktuellen Inflationsrate liegen.
„Die vorliegenden Angebote bedeuten einen herben Kaufkraftverlust, und das kann vor dem Hintergrund der guten, harten Arbeit nicht sein. Die Handelsunternehmen erzielen starke Gewinne. Die Beschäftigten müssen daran beteiligt werden“, sagt Stach weiter.
Hintergrund
- Im Einzelhandel in Mecklenburg-Vorpommern sind rund 56.000 Beschäftigte tätig, in Schleswig-Holstein etwa 124.000.
- Im Groß- und Außenhandel in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten rund 14.000 Beschäftigte, in Schleswig-Holstein etwa 55.000.
- Die Tarifverhandlungen im Groß- und Außenhandel sollen am 10. Juli 2026 fortgesetzt werden. Der nächste Verhandlungstermin für den Einzel- und Versandhandel ist am 2. Juli 2026 für Mecklenburg-Vorpommern und am 8. Juli für Schleswig-Holstein.