Kasenort (ps) – 100 Jahre steht die Schleuse in Kasenort nun schon an ihrem Platz. Dass sie dort errichtet wurde, hat auch mit einem Unglück zu tun: 1920 verkeilte sich ein niederländisches Schiff in den Toren der alten Holzschleuse – und die Wilstermarsch lief voll.
Arno Kruse lebt seit vielen Jahren direkt an der Schleuse. Sein Haus, ein Erbstück des Großvaters seiner Frau, steht auf Höhe der Mitte der Schleusenkammer. Ein Fakt, den Arno Kruse nicht mehr losließ und seine Faszination für die Schleuse entfachte.
Früher lag die Schleuse rund 50 Meter weiter östlich. Nach der Allerheiligenflut von 1436 wurde beschlossen, die Wilster Au abzuschleusen, um die Marsch besser vor Hochwasser zu schützen. Wilster war damals ein wichtiger Handelsort. Mit der Schleuse wurde die Durchfahrt enger: Zunächst ließ sie nur 3,60 Meter breite Schiffe passieren, nach einer Erneuerung um 1870 waren es 4,40 Meter.
Trotzdem blieb die Durchfahrt ein Problem und löste Diskussionen über eine Verbreiterung der Schleuse aus. Wirklich in Bewegung kam die Debatte jedoch erst nach der Nacht vom 5. auf den 6. September 1920.
Damals heulten Feuersirenen auf, sie galten jedoch keinem Feuer, sondern dem Hochwasser, welches sich gerade über die Wilstermarsch ausbreitete. Die „Pirat“, ein niederländisches Eisenschiff, war bei schlechtem Wetter in eins der Schleusentore gefahren und hatte sich dort verkeilt. Die Tore ließen sich nicht schließen. Wasser floss ungehindert in die Marsch. Äcker wurden überschwemmt. Keller liefen voll. Bauern brachten ihre Tiere in Sicherheit.
Erst als Anwohner die „Pirat“ so weit herunterdrückten, dass sie sich vom Schleusentor löste, konnte die Schleuse wieder geschlossen werden. Das Schiff trieb durch die Strömung der Stör weg vom Schleusentor. Die Havarie befeuerte die Diskussion um die Erweiterung und Erneuerung der Schleuse.
Fünf Jahre später begannen die Arbeiten. 1925 wurde rund 50 Meter westlich der alten Holzschleuse eine neue Anlage aus Beton, Ziegelstein und Stahl errichtet. Sie war breiter, länger und moderner: 129 Meter Kammerlänger, 6,70 Meter Durchfahrtsbreite, offen genug für Segelschiffe mit hohen Masten. Das Becken in Kombination mit der modernen Schleuse ermöglichte es auch bei unterschiedlichen Wasserständen die Schiffe passieren zu lassen.
Kruse findet besonders, dass die Schleuse zunächst auf dem Land gebaut wurde. Erst danach wurde die Mündung der Wilster Au zur Stör verlegt. Auch der Deich musste angepasst werden. 1926 wurde der Bau abgeschlossen.
Für Handel und Schifffahrt ist die Schleuse heute weniger wichtig. Für Hobbysegler, Spaziergänger und Geschichtsinteressierte bleibt sie aber ein besonderer Ort.
Am Samstag, den 12. September, wird ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert. Auch Arno Kruse wird dann vor Ort über die alte Holzschleuse, die Havarie von 1920 und den Neubau sprechen, der Kasenort bis heute prägt.