Neumünster (dws) – Als Heinrich von Kleist 1806 den „Zerbrochenen Krug“ schrieb, ahnte er nicht, dass seine Komödie einmal auf Plattdeutsch in Neumünster aufgeführt werden würde. Op Platt heet dat Stück nu: „Dat Schörengericht“. Es geht um einen Richter (gespielt von Dieter Milkereit), der lügt, dass sich die Balken biegen, um seinen Kopf und guten Ruf zu retten, einen kaputten Krug und jede Menge plattdeutscher Schlagfertigkeit. Die NBN probt derzeit den Klassiker, der aktueller nicht sein könnte. Es geht um Recht und Gerechtigkeit und die Frage, wie lange hält eine Maske stand, bevor sie, ähnlich wie der Krug, in tausend Teile zerbricht? Es lohnt daher, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und ein bisschen „Theaterluft“ zu schnuppern. Schauspieler und Soufleuse sind versammelt, es wird gelacht und der Text noch einmal überflogen. Die Inspizientin Karin Parton-Löhndorf sorgt dafür, dass alle Requisiten vorhanden sind. „2007 haben wir das Stück schon einmal gespielt, ich war damals die „Frau Brigitte“, es war meine erste Rolle bei der NBN“ erzählt Ellen Hansen und zeigt ein altes Programmheft, das alle bestaunen. „Heute spiele ich wieder „Frau Brigitte“, fügt Ellen Hansen stolz hinzu und passt in ihrem schwarzen Kostüm perfekt in die damalige Zeit. Alle Darsteller proben in historischen Kostümen, die sie später auch auf der Bühne tragen. Das hilft, sich besser und schneller mit der Figur, die sie spielen, zu identifizieren. Der große Fundus birgt genug Kleidung und Perücken für alle.
Noch ist das Bühnenbild nicht fertig, darum wird improvisiert. Tisch, Stühle, ein Pult und wenige Requisiten, das langt, bis es in ein paar Tagen ins richtige Bühnenbild geht, wo dann täglich geprobt wird bis zur Premiere. War es eine Herausforderung den Klassiker zu spielen? „Ja, die Sprache ist sehr anstrengend zu lernen. Das Platt von damals ist schwieriger“, verrät Birgit Müller, die „Frau Martje“ spielt. Inzwischen ist Ulrich Bähnk, ein bekannter Film- und Theaterschauspieler aus Hamburg eingetroffen. Er führt mit sicherem Gespür Regie und arbeitet mit Präzision und Feingefühl an den einzelnen Charakteren der Figuren. Jeder Gang, jede Mimik muss stimmen. Was nicht geprobt wird, klappt auf der Bühne später nicht. Seit 6. Januar wird geübt, mehr als 30 Probenabende gehen dabei drauf. Ulrich Bähnk bringt große Erfahrung mit und ist ein Glücksgriff für die NBN.
„Ich feiere dieses Jahr mein 40 jähriges Bühnenjubliäum. Bei der NBN spielte ich 1988 eine Gastrolle und seit 2021 inszeniere ich hin und wieder als Gastregisseur ein Stück. Das Theater mit Laiendarstellern genieße ich, es ist Spielfreude pur, da geht es nicht, wie meistens beim Berufstheater, ums Geld. Mir macht die Arbeit an der NBN viel Spaß. Zwar finden bei den Profis die Proben am Tag statt, während die Laiendarsteller erst abends nach ihrer Arbeit proben können. Da ist es nicht immer einfach Probentermine zu organisieren. Aber ich habe Verständnis, wenn mal einer an einem Abend nicht kann“, erzählt Ulrich Bähnk, der im April am Ohnsorgtheater mit der „Deutschstunde“ Premiere feiert und im März in der Filmkomödie „Horst Schlämmer sucht das Glück“, im Kino zu sehen ist.
Jetzt stehen aber noch ein paar lange Probentage an, bis sich am 13. März der Vorhang für die Premiere vom „Schörengericht“ hebt.
Für Schulklassen bietet die NBN Sonderpreise an, Schüler zahlen fünf Euro pro Karte. Anmeldung über Anneke Schröder-Dijkstra: theaterkarten@nb-nms.de
Vun de Proov op de Bühn
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