Zum Seiteninhalt springen
Moin Jobfinder
Seiteninhalt überspringen

Misophonie: Wenn Schmatzen Wut und Ekel auslöst

Ekel vor Geräuschen macht immer mehr Menschen auch in Neumünster zu schaffen

Häufig sind es Essgeräusche, die Menschen, die an Misophonie leiden, stark emotional peinigen. Foto: AOK/colourbox/hfr.

Neumünster (pm) - Hier läuft etwas falsch: Ein Mann sitzt seiner Frau im Restaurant gegenüber und sieht ihr mit schmerzverzerrtem Gesicht beim Essen zu. Das Zuschauen ist nicht sein Problem – aber das Hören. Am liebsten möchte er sich die Ohren zuhalten. Viele Menschen auch in Neumünster haben noch nichts von Misophonie gehört. Diese Bezeichnung leitet sich von den griechischen Begriffen „misos“ und „phone“ ab und bedeutet wörtlich übersetzt ‚Hass auf Geräusche‘. Menschen, die an Misophonie leiden, reagieren stark emotional auf bestimmte Geräusche, die für andere Personen normalerweise nicht störend oder sogar kaum wahrnehmbar sind. „Die Lautstärke der Geräusche ist dabei nicht ausschlaggebend. Kauen, ein tropfender Wasserhahn oder Schmatzen bringen Betroffene in Rage und lassen sie regelrecht ausflippen. Dabei können alle Arten von Geräuschen als Auslöser fungieren“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Stefan Kölpin.

 

In der Pubertät fängt es an

Bei der Misophonie handelt es sich um ein recht junges Krankheitsbild. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde es durch zwei US-amerikanische Neurowissenschaftler erstmals beschrieben und benannt. Sie fanden heraus, dass sich Misophonie überwiegend in der Pubertät entwickelt, da sich in dieser Phase das Gehirn am stärksten entwickelt. Junge Menschen beginnen feiner zu hören und Gehörtes anders zu bewerten. Studien gehen davon aus, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. 

 

Negative oder traumatische Erfahrungen als Ursache vermutet

Misophonie kann sehr plötzlich und in jedem Alter entstehen. Besonders häufig beginnt sie allerdings zwischen dem achten und dem 13. Lebensjahr. Prinzipiell kann jeder Mensch Misophonie-Symptome entwickeln. Experten vermuten, dass Misophoniker negative oder traumatische Erfahrungen erlebt haben, die sie mit einem bestimmten Geräusch verbinden. Diese führen dann im weiteren Verlauf zu immer ausgeprägteren emotionalen Reaktionen, wenn dieses Geräusch erneut gehört wird. Betroffene sind dann irritiert, verspüren Ärger, Angst und Frustration bis hin zu Wut und sogar Hass. 

 

Diagnose einer Misophonie:

Bisher wird die Misophonie nicht in den offiziellen Diagnose-Klassifikationen (ICD-10) geführt. Betroffene sollten sich dennoch nicht scheuen, sich hausärztlich zu einer möglichen Bewältigungsstrategie beraten zu lassen. Von dort könnte im Bedarfsfall eine begleitende HNO-ärztliche Therapie koordiniert werden. Um die Symptome von anderen auditiven Störungen abzugrenzen und auch deren Schweregrad zu ermitteln, wird neben einer körperlichen und neurologischen Untersuchung zunächst ein Fragenkatalog abgearbeitet. Dieser arbeitet heraus, auf welche Geräusche besonders empfindlich reagiert wird und setzt diese in Zusammenhang mit bestimmten Orten, Menschen und Situationen. 

 

Therapieansätze:

Kann die Ursache einer Hassreaktion für ein bestimmtes Geräusch gefunden werden, arbeiten die Experten häufig mit einer Gegenkonditionierung, bei der das Geräusch mit einem neuen, positiven Erlebnis verbunden wird. Kann die Ursache nicht ermittelt werden, bieten sich Methoden zur Stressreduktion oder zur Entspannung wie zum Beispiel Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Thai-Chi an. Betroffene lernen dabei, ihre heftige emotionale Reaktion zu kontrollieren. Weitere Informationen zu anerkannten Entspannungsmethoden bei den Präventions-Expertinnen und -Experten der AOK NordWest oder online unter www.stress-im-griff.de, dem kostenlosen Anti-Stress-Programm der AOK auch für Nicht-Mitglieder.

zu den aktuellen Ausgaben

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass bei der Aktivierung des Magazins eine Verbindung zum Anbieter Yumpu aufgebaut wird und Daten übermittelt werden.

aktuelle Beilagen

Familien-Anzeige Online aufgeben
... hier klicken
Eine Menschenmenge mit erhobenen Händen bei einem Konzert oder einer Musikveranstaltung, beleuchtet von blauem Bühnenlicht und in einer nebligen Atmosphäre, im Hintergrund ist ein Künstler zu sehen.
Veranstaltungen

Beim aktivieren des Elements werden Daten an Facebook übertragen.