Zum Seiteninhalt springen
Moin Jobfinder
Seiteninhalt überspringen

Gemeinsam das Leben mit rund 1.400 Demenzerkrankten in Neumünster gestalten

Bei der Pflege gilt: Einfühlen statt korrigieren

„Demenz – (k)eine Frage des Alters“ ist das Motto des Welt-Alzheimertages am 21. September. Für rund 1.400 Menschen in Neumünster gehört die Erkrankung zum Leben, ebenso wie für ihre Angehörigen und Pflegenden. Foto: AOK/colourbox/hfr.

Neumünster (pm) - „Demenz – (k)eine Frage des Alters“. Das diesjährige Motto des Welt-Alzheimertags am 21. September erinnert daran, dass Demenz nicht nur alte Menschen betrifft. Zwar sind die meisten Menschen mit Demenz über 65 Jahre alt, doch die Krankheit kann auch in jüngeren Jahren auftreten. Zudem sind Partnerinnen und Partner, Kinder, Enkelkinder, Nachbarn sowie Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Generationen betroffen. Nach aktuellen Ergebnissen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) lebten im Jahr 2024 in Neumünster rund 1.400 Menschen mit dieser Erkrankung. „Eine Demenzerkrankung nimmt nach und nach viele Dinge, die Menschen früher konnten und wussten. Doch Gefühle wie Freude, Angst und Schmerz bleiben bis zuletzt erhalten“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Stefan Kölpin.

 

Demenz verändert das Leben

Eine Demenzerkrankung verändert das Leben der Betroffenen und ihres Umfelds. Wer als Angehöriger oder auch als professionelle Pflegefachkraft die Betreuung eines an Demenz erkrankten Menschen übernimmt, benötigt viel Kraft und Geduld. Wenn Demenzkranke aggressiv, laut oder gar handgreiflich werden, wird das auch als ‚herausforderndes Verhalten‘ bezeichnet. Das bringt Pflegepersonen bisweilen an die Grenzen. Hier gilt es, Verständnis und Einfühlungsvermögen zu zeigen. „Es hilft, sich bewusst zu machen, dass dieses Verhalten nicht persönlich gemeint ist, sondern Symptom der Erkrankung ist“, sagt Kölpin. 

 

‚Herausforderndes Verhalten‘ bei Dementen

Herausforderndes Verhalten von an Demenz erkrankten Menschen sind Versuche der Erkrankten, sich mitzuteilen. Oft geschieht dies durch Schreien, Beschimpfen, Schlagen oder das Werfen von Gegenständen. Beim Versuch, die Perspektive der dementen Person einzunehmen, stellt sich das zunächst als 'störend' empfundene Verhalten oft als unverstandenes Verhalten heraus. Ängste, Überforderung, Missverständnisse oder auch unbewältigte Lebensthemen können hinter aggressivem Verhalten stecken. Eine störende Lärmkulisse, die fehlende Brille oder die Veränderungen in der Alltagsroutine können für die Betroffenen bedrohlich sein. Natürlich führen auch die krankheitsbedingten Veränderungen bei Menschen mit Demenz zu Frust und nicht selten zu Verbitterung. 

 

Wertschätzung reduziert Stress und fördert Vertrauen

Studien legen nahe, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen - wie zum Beispiel Aktivitäten im Freien, Berührungs- oder Massagetherapien sowie Musik, wirksamer sind als eine pharmakologische Therapie. Wenn Medikamente eingesetzt werden, dann sollten sie in der geringstmöglichen Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum und unter engmaschiger Kontrolle verabreicht werden.

 

Was können Pflegefachkräfte oder Angehörige tun, um die täglichen Herausforderungen möglichst entspannt zu meistern? Eine Empfehlung lautet: Validieren. "Validation ist mehr eine Grundhaltung als eine Technik. Sie basiert auf Empathie, Bestätigung und Wertschätzung im Umgang miteinander", erklärt Kölpin. Es ist der Versuch, in die innere Welt von Menschen mit Demenz einzutauchen und Kontakt zu ihren Gefühlen aufzunehmen.

 

Einfühlen statt korrigieren

Die Pflegekraft oder die familiäre Pflegeperson kann aktiv auf die Ängste eingehen und zum Beispiel nachfragen, warum die fehlende Brille gerade jetzt so wichtig, die vermeintlich kleine Veränderung so bedrohlich ist oder das Bisherige so gut war. Durch so ein identitätsstiftendes Gespräch kann ein echter Kontakt zur pflegebedürftigen Person entstehen, der den erlebten Stress lindert. Auf keinen Fall sollte die oder der Erkrankte darauf hingewiesen werden, dass die Vorstellungswelt nicht der Realität entspricht. „Auch für die Pflegenden ist es entspannter, sich in die Situation einzufühlen, als zu korrigieren oder zu versuchen, das Verhalten zu unterbinden", so Kölpin. 

 

Für pflegende Angehörige bietet die AOK NordWest spezielle Pflegekurse auch online an. Unter www.aok.de/nw/onlinepflegekurs findet sich ein Kursangebot im Chat explizit für die Pflege Demenzerkrankter ‚Dement oder nur vergesslich‘. Außerdem kann das Online-Selbsthilfeprogramm ‚Familiencoach Pflege‘ dabei helfen, die eigene Psyche zu stärken und sich vor Überlastung zu schützen.

zu den aktuellen Ausgaben

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass bei der Aktivierung des Magazins eine Verbindung zum Anbieter Yumpu aufgebaut wird und Daten übermittelt werden.

aktuelle Beilagen

Familien-Anzeige Online aufgeben
... hier klicken
Eine Menschenmenge mit erhobenen Händen bei einem Konzert oder einer Musikveranstaltung, beleuchtet von blauem Bühnenlicht und in einer nebligen Atmosphäre, im Hintergrund ist ein Künstler zu sehen.
Veranstaltungen

Beim aktivieren des Elements werden Daten an Facebook übertragen.