Neumünster (rjs) – Die Stadt Neumünster will die Verantwortung für den Tierpark übernehmen und ihn künftig über eine eigene gemeinnützige GmbH führen.
Angesichts finanzieller Probleme, eines Investitionsstaus und sinkender Besucherzahlen soll damit die Grundlage für einen Neuanfang geschaffen werden.
„Die Lage des Tierparks Neumünster ist ernst“, sagte Oberbürgermeister Tobias Bergmann. Über die Gründung der Gesellschaft soll die Ratsversammlung im Februar entscheiden. Stimmt sie zu, könnte die Stadt den Betrieb zum 1. April 2027 von der bisherigen Tierparkvereinigung übernehmen.
Für das Jahr 2027 stellt die Stadt einen Defizitausgleich von 500.000 Euro in Aussicht. Bergmann machte zugleich deutlich, dass es keine unbegrenzte finanzielle Unterstützung geben werde. „Wir haben finanzielle Rahmenbedingungen, die gelten müssen“, betonte er. Der Tierpark müsse wirtschaftlich tragfähiger werden und weiterhin auf die Unterstützung von Mitgliedern, Unternehmen und Bürgern zählen können. Die bisherige Tierparkvereinigung, die den Park seit 1951 betreibt und rund 2800 Mitglieder zählt, soll künftig als Förderverein weiterarbeiten. Die Mitgliederversammlung soll Anfang März über die geplante Übertragung des Betriebs beraten.
Waldtierpark mit Elchen und Wisenten
Auch das Konzept soll sich verändern. Geplant ist ein Waldtierpark, der den alten Baumbestand stärker in den Mittelpunkt rückt. Professor Kai Fröhlich, Direktor der Arche Warder, unterstützt die Stadt bei der zoologischen Neuausrichtung. Künftig sollen ausgewählte heimische beziehungsweise ehemals heimische Tierarten in großzügigen, artgerechten Anlagen leben. Als Beispiele nannte Fröhlich Elche, Wisente, Luchse und Biber. „Im Vordergrund steht wirklich sehr gute und zwar exzellente artgerechte Anlagen zu bauen“, erklärte er.
Zudem soll der Tierpark stärker auf Umweltbildung setzen. Moderne, auch multimediale Angebote sollen vor allem junge Besucher für Natur, Artenvielfalt und Klimawandel begeistern. Auch der Spielplatz und die Zooschule sollen weiterentwickelt werden. Für die Modernisierung des Spielplatzes gibt es bereits finanzielle Zusagen von Neumünsteraner Serviceclubs.
Vitus soll ein neues Zuhause finden
Nicht mehr zum künftigen Konzept passt die Eisbärenhaltung. Für den 26 Jahre alten Eisbären Vitus wird deshalb ein geeigneter neuer Platz gesucht. Bis eine gute Lösrung gefunden ist, bleibt das Tier in Neumünster. Die Vermittlung könnte schwierig werden und längere Zeit in Anspruch nehmen. Welche weiteren Tierarten bleiben oder abgegeben werden, ist noch offen. Die Nasenbären sind bereits in eine Seniorenresidenz in der Lüneburger Heide umgezogen.
Der Umbau soll bei laufendem Betrieb erfolgen. Bis die Veränderungen vollständig sichtbar werden, könnte es nach Einschätzung Fröhlichs etwa fünf Jahre dauern. Größere Änderungen der Eintrittspreise sind zunächst nicht vorgesehen.
Bergmann betonte, dass die Zukunft des Tierparks nicht allein Aufgabe der Stadt sei. Auch die Zivilgesellschaft und die regionale Wirtschaft müssten sich weiterhin engagieren. Das neue Konzept soll den Tierpark langfristig sichern – dafür seien allerdings Veränderungen und ein gemeinsamer Kraftakt notwendig.