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Ausverkauftes Theater singt und feiert den Tag der Deutschen Einheit

Publikum wird Teil des Konzerts

Fotos: Citymanagement Neumünster

Neumünster (pm) - Mehr als 500 Menschen, über 50 Sängerinnen und Sänger, ein eigens für diesen Abend zusammengestelltes Orchester - und ein Publikum, das nicht nur zuhören, sondern selbst Teil des Konzerts sein sollte: Beim Einheitssingen am Sonnabendabend wurde das ausverkaufte Theater in der Stadthalle zu einem großen gemeinsamen Chor. Bereits zum vierten Mal beteiligte sich Neumünster auf Initiative des Citymanagements Neumünster an der bundesweiten Aktion „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“. Zum zweiten Mal war das Konzert zugleich Teil des Kunstfleckens des Kulturbüros Neumünster. Den Einstieg bildete zunächst ein Blick zurück. Im abgedunkelten Theater erklang die Stimme von Lothar de Maizière, dem letzten Ministerpräsidenten der DDR. In seiner Fernsehansprache am Abend des 2. Oktober 1990 hatte er wenige Stunden vor der Wiedervereinigung erklärt: „Wir Deutschen erreichen die Einheit in Freiheit.“ Zugleich erinnerte er an das überwundene politische System der DDR, das sich demokratisch genannt habe, ohne es zu sein. Auf diese historischen Worte folgte Musik und mit ihr zugleich eines der zentralen Themen des Abends: Frieden. Hans-Georg Wolos eröffnete das musikalische Programm mit seinem selbst komponierten Stück „Frieden“. Ein ruhiger Auftakt, der den Bogen von der Erinnerung an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung zu den Fragen von Frieden und gesellschaftlichem Zusammenhalt in der Gegenwart schlug. Danach gehörte die Bühne den mehr als 50 Chormitgliedern und einem, von Annika Schlaack eigens für das Konzert zusammengestellten Orchester. Durch den Abend führte NDR-1-Welle-Nord-Moderatorin Maja Herzbach. Dabei blieb es ausdrücklich nicht beim klassischen Konzert: Immer wieder war das Publikum aufgefordert mitzusingen. Neben traditionellen und kirchlichen Liedern standen auch moderne Stücke wie Andreas Bouranis „Auf uns“ auf dem Programm. Spätestens dabei wurde aus Zuschauern und Musikern ein gemeinsamer Chor. Auch die Wortbeiträge griffen den Gedanken der Gemeinschaft auf. Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger und Pastorin Simone Bremer erinnerten daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt gerade dann wichtig sei, wenn Debatten härter würden und der Eindruck entstehe, Trennendes sei lauter als das Gemeinsame. Der Tag der Deutschen Einheit sei deshalb nicht nur Anlass, auf die Ereignisse von 1989 und 1990 zurückzublicken, sondern auch, sich heute immer wieder neu für ein respektvolles und friedliches Miteinander einzusetzen. Für einen besonderen Moment des Abends sorgte der neunjährige Henri Jarle Kehl. Bevor Chor und Orchester Udo Lindenbergs „Wir ziehen in den Frieden“ anstimmten, trat er allein ans Mikrofon und trug Artikel 3 des Grundgesetzes über Gleichheit und das Verbot von Diskriminierung vor. Danach setzte die Musik ein – und erneut stimmten viele Menschen im Saal mit ein. Auch für das Citymanagement Neumünster war der Abend mehr als eine Veranstaltung im Kalender. Jennifer Hans hatte gemeinsam mit Christian Schröder den Ablauf des Abends geplant und organisiert und stand selbst als Solistin auf der Bühne. „Dass mehr als 500 Menschen gemeinsam singen und dabei ganz selbstverständlich unterschiedliche Generationen zusammenkommen, zeigt für mich sehr schön, worum es an diesem Abend geht“, sagt Hans. „Einheit und Gemeinschaft sind nichts Selbstverständliches. Man muss sie immer wieder mit Leben füllen und genau das war gestern im Theater zu spüren.“

Dass der Abend in dieser Form stattfinden konnte, war vor allem dem Engagement vieler Beteiligter zu verdanken. Ein besonderer Dank gilt neben Annika Schlaack und Hans-Georg Wolos vor allem Christian Schröder, der mit viel Zeit und persönlichem Einsatz die musikalischen Fäden zusammenhielt, das Programm vorbereitete und arrangierte. Am Ende war es deshalb mehr als ein Konzert zum Nationalfeiertag. Für gut 500 Menschen wurde der Abend zu einer musikalischen Erinnerung daran, dass Einheit nicht nur ein historisches Datum ist, sondern etwas, das vom Miteinander lebt.

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