Neumünster (pm) - Körperliche Gesten werden zu keramischen Formen, persönliche Erinnerungen zu vielschichtigen Bildwelten. Julia Schuster und Sarban Chowdhury nähern sich auf sehr unterschiedliche Weise den Themen Körper, Nähe, Erinnerung und Beziehung.
Am Donnerstag, den 24. September, um 18 Uhr eröffnet die Ausstellung von Julia Schuster (Österreich/Schweden) und Sarban Chowdhury (Indien) im Keramikkünstlerhaus. Die beiden Künstler:innen präsentieren die Ergebnisse ihres siebenwöchigen Stipendienaufenthalts. Die Arbeiten sind im Rahmen des internationalen °Ceramic Artist Exchange – Tandem Programms entstanden.
Die Eröffnung beginnt mit einer kurzen Einführung und einem anschließenden Artist Talk. Danach sind alle Besucher:innen herzlich eingeladen, bei Getränken im Garten mit den Künstler:innen ins Gespräch zu kommen.
Julia Schuster ist eine bildende Künstlerin, die im ländlichen Schweden lebt und arbeitet. Sie studierte Keramik am Royal College of Art in London sowie Design an der Freien Universität Bozen-Bolzano. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie Installationen aus Ton und Keramik mit Fotografie, Video und Text. Der Austausch zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten spielt dabei eine zentrale Rolle.
In Neumünster entstand Schusters Arbeit aus dem Bedürfnis, mit den Händen kreisende Bewegungen auszuführen und kreisförmige Linien wiederholt zu ziehen und nachzuzeichnen. Die daraus entwickelten Skulpturen sind haptische Reflexionen über Überfluss und Leere, Fülle und Nichts. In der Installation und der intimen Performance „Mormor“ (schwedisch für „Muttermutter“) untersucht sie durch Wiederholung und Variation Themen wie Verbundenheit und Trennung, Grenzen und Öffnungen, Unabhängigkeit und Sehnsucht.
Auch Schusters Ausbildung zur Doula und ihre Begegnung mit der Sterbebegleitung im Hospiz Neumünster fließen in die Arbeit ein. Geburt und Tod werden dabei als Prozesse der Transformation, Verletzlichkeit und des Entstehens miteinander verbunden.
Sarban Chowdhury arbeitet als Künstler, Denker und visueller Suchender an der Schnittstelle persönlicher und gesellschaftlicher Erfahrungen. Seine Arbeiten verbinden keramische Objekte mit Texten und visuellen Metaphern und beschäftigen sich mit Beziehungen, Erinnerung, Begehren und den Widersprüchen menschlichen Verhaltens.
In seiner in Neumünster entstandenen Arbeit „Someone’s Therapist Knows All About You“ untersucht Chowdhury die Spuren emotionaler Zustände: Erinnerungen, unausgesprochene Gefühle, Verletzlichkeiten und intime Geständnisse überlagern sich in einer fragmentierten Bildwelt. Die Arbeit bewegt sich zwischen Begehren, Projektion, Abhängigkeit, Desillusionierung und Selbsterkenntnis und versteht sich als eine Art visuelles Tagebuch.
Mit einem Gefühl von Unheimlichkeit und Irritation hinterfragt Chowdhury zugleich die romantische Idealisierung von Liebe. Seine Arbeiten zeigen Beziehungen als widersprüchlichen Erfahrungsraum, persönlich und intim, aber zugleich geprägt von gesellschaftlichen und emotionalen Strukturen.
Ausstellungseröffnung:
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